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Schöpfer  und Schöpfung

Vom Glauben

Vom Geheimnis der Religion

Von der Wahrheit

Etwas Festes muss
der Mensch haben

Schein und Sein

Von der Besserung der Welt
und des Menschen

Vom Glück

Aus dem Brief an seinen
Sohn Johannes

Was der liebe Gott anfangs alles für Weltkräfte erschaffen und wie er sie gegen einander geordnet hat, das ist alles vor unseren Augen verborgen und ich wäre sehr geneigt, die ganze sichtbare Welt als eine Glocke anzusehen, die wir davon läuten hören, ohne recht zu wissen, in welchem Turm sie ist.
Aber Glaube ist in der gelehrten Welt ein unbekannt Ding. Er existiert nicht in abstracto, und wo er in die Hand genommen wird, um besehen zu werden, da gebiert er nichts als Hader und Zank.; wo er aber in seinem natürlichen Acker, in einem Menschenherzen, wohnet und wurzelt, da zeigt er wohl, was er ist und was er kann.
Der Geist wohnt nicht in den Schalen der Dogmatik, hat seine Wesen nicht in den Kindern des Unglaubens, noch in den ungeratenen Söhnen und übertünchten Gräbern des Glaubens, lässt sich wenig durch üppige glänzende Vernunftsprünge erzwingen, noch durch steife Orthodoxie und Mönchswesen...  Wenn ich bei der Quelle stehe, warum soll ich nicht aus der Quelle trinken; so bin ich doch sicher vor dem Unrat am Eimer.
Die Wahrheit ist immer gerne verdeckt und im Dunkel gewesen und wenn in einer Religion überhaupt Wahrheit wohnt, so wohnt sie in ihren verhüllten Punkten und Rätseln.
Wenn Du den Trieb zur Wahrheit und zum Guten im Menschen nicht ehren willst; was hat er dann noch das du ehren mögest? Es ist mit unserer Seele, wie mit unserem Körper. Sie hat auch eine Zunge und hat einen Magen. Der Zunge gefällt das Bittere nicht, aber dem Magen ist es heilsam und gesund; und, was den Magen verdirbt, gefällt der Zunge wohl. Es ist aber eine alte Sage, dass die Wahrheit nicht süß sei. Die Wahrheit ist ein Riese, der am Wege liegt und schläft, die vorübergehen sehen seine Riesengestalt wohl, aber ihn können sie nicht sehn, und legen den Finger ihrer Eitelkeit vergebens an die Nase ihrer Vernunft. Wenn er den Schleier weg tut, wirst du sein Antlitz sehen. Bis dahin muss unser Trost sein, dass er unter dem Schleier ist, und gehe du ehrerbietig und mit Zittern vorüber, und klügle nicht. Dem Menschen muss etwas wahr und heilig sein! Und das muss nicht in seinen Händen und nicht in seiner Gewalt sein; sonst ist auf  ihn kein Verlass, weder für andere noch für ihn selbst. Was soll doch einer für Furcht vor Göttern haben, die er selbst inventiert und gemacht hat? Und was kann er von ihnen für Trost erwarten? Auch ist das scharfsinnigste Gemächt der Selbstgöttler eigentlich nur zum Staat und für die guten Tage, und ich hab mehrmal gesehen, fetter, wenn´s was gilt, so lassen sie die Ohren hängen. Es ist eine Wahrheit und nur eine. Die lässt sich mit Gewalt nichts nehmen und dringet sich niemand auf; sie teilt sich aber mit, mehr oder weniger, wenn sie mit Demut und Selbstverleugnung gesucht wird, "mit Furcht und Zittern", sagt der Apostel. Die ihr Gewalt tun, und eigenmächtig Wahrheit machen wollen, die martern sich vergebens, und sind ein Rohr in der Wüsten, das der Wind hin und her wehet. Menschliche Werke, wie alle Dinge dieser Welt, wanken und verändern Gestalt und Farbe. Die Wahrheit bleibt, und wanket nicht. - Und wer ihr einfältig und beharrlich anhanget, der wittert Morgenluft und hält sich an das, was er hat - bis er ehr erfahren wird.
Es ist  zwischen den Begriffen und dem Wollen im Menschen eine große Kluft befestigt. Das Rad des Wissens und das Rad des Willens ob sie wohl nicht ohne Verbindung sind, fassen nicht in einander...
Gehe in dich und frage dich, selbst. Frage aufrichtig dein eigenes Herz: Ob es nicht etwas anders ist, was dich zum Wollen bewegt, als das bloße Wissen? Ob die Räder des Wissens und Willens in dir immer miteinander, und ob sie nicht gegeneinander gehen? Ob du nicht sogar bisweilen, wenn du das Rad des Besserwissens in der Ferne umgehen hörest, ob du dann nicht bisweilen mit Fleiß abwärts und aus dem Wege gehest, damit du seinen Laut nicht vernehmest? - Lieber, gestehe und leugne nicht. Du bist es nicht allein dem es also gehet; es gehet anderen Leuten aus so, und den meisten geht es noch ärger. Gestehe denn aber auch, dass es eitel Traum und Täuschung sei, dass die Vernunft und Aufklärung den festen unbeweglichen Punkt geben und den Neigungen und Leidenschaften Gebiss anlegen könne! Und glaube nicht länger an eine Sache, die nicht wahr ist, und die nie hat wahr gemacht werden können. Denn was anders war je die Absicht der bessern und weiseren Menschen aller Zeiten bei ihrem Tun und Treiben, als überall der Vernunft der Sinne und Leidenschaften zu verschaffen? Und haben sie es tun und zustande bringen können? Ein Vernunftregiment ist unmöglich, weil man wohl klug aber nicht gut machen kann; weil die Menschen nicht wollen wie sie denken, sondern, viel mehr umgekehrt, denken wie sie wollen. Wenn ebendasselbe große Herz, das für die physische Natur irgendwo schlagen muss, auch für die moralische Natur schlüge; so wüssten wir an was wir uns hier zu halten haben, und wir hätten zu gleicher Zeit einige Auskunft über die unüberwindliche Lenkkraft des menschlichen Willens, sowohl überhaupt als im Staate, und über den festen unbeweglichen Punkt. Doch wie dem auch sein möge, etwas Festes muss der Mensch haben daran er zu Anker liege, etwas das nicht von ihm abhange, sondern davon er abhängt. Der Anker muss das Schiff halten; denn, wenn das Schiff den Anker schleppt, so wird der Kurs misslich, und Unglück ist nicht weit. Der Mensch ist nicht allein höheren unsichtbaren Kräften abhängig, sondern er soll auch moralisch von ihnen abhängig sein und von ihnen allein; und hier liegt beides: der Maßstab und das Wahrzeichen seiner Größe, seiner Freiheit, und seines wahrhaftigen Glücks. "Welche ihr euch begebet zu knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr", sagt Paulus. Dieser fremde Einfluss auf den Willen des Menschen von Dingen, die tief unter ihm und sein nicht wert sind, dies "radikale Böse in der menschlichen Natur", diese Abhängigkeit und Knechtschaft, dieser Mechanismus in einem Wesen das die Freiheit von fern was reucht und zur Herrschaft wiehert, diese Flecken in der Sonne, diese Kette um die Flügel des Engels - ist die große Angelegenheit des ganzen Geschlechts und die Herzenssache jedes rechtlichen Mannes. Und: die Aussicht und die Hoffnung, dieser schmählichen Kette los; das Mittel recht frei zu werden - ist das Größte und Höchste unter dem Himmel, das in des Menschen Verstand, ist das Fröhlichste und Seligste, das in sein Herz kommen kann, nach welcher Seeligkeit auch gesuchet und geforschet haben die Propheten und alle wahren Weisen von der Welt her. Und dies Mittel ist das ursprüngliche und eigentliche Geheimnis der Religion - nicht Zweckvorstellung - nicht Gottesverehrung, die findet sich dann von selbst und will  nicht ausbleiben. Von diesem Geheimnis nun weiß die bloße Vernunft nicht und kann es nicht begreifen.
Wer einen großen Titel und Stern hat, der muss auch ´n groß Verdienst haben, darnach richten sich die Potentaten beim Geben, und das sieht man auch an den meisten Herren die hohe Titel und Sterne haben; apropos, hab wohl eher ´n Stern auf der Brust gesehen, und in dem Gesicht darüber Harmpfoten und Verdruss, und da hab ich denn wohl bei mir selbst gedacht, dass es wohl nicht immer Fried und Freude sei was so ´n Stern auf einer Brust manchmal so hochhebt, und das Titel und Sterne wohl nicht innerlich glücklich machen können. Das seinige treu tun, pflegte meine Mutter zu sagen, ist ´n Stern der auf der bloßen Brust sitzt, die andern sitzen nur am Latz. O Vetter, wenn dir ein Mensch vorkömmt der sich so viel dünkt und so groß und breit stehet; wende dich um und habe Mitleide mit ihm. Wir sind nicht groß und unser Glück ist, dass wir an etwas Größeres und Besseres glauben können.
Wir Menschen gehen doch wie im Dunkeln, sind doch verlegen in uns, und können uns nicht helfen, und die Versuche der Gelehrten es zu tun, sind nur brotlose Künste. Auch ist das Gefühl eigener Hülflosigkeit zu allen Zeiten das Wahrzeichen wirklich großer Menschen gewesen, ist über dem ein feines Gefühl, und vielleicht der Hafen, aus dem man auslaufen muss um die Nordwestpassage zu entdecken. Ich habe auch wenn man andere gutmachen will, keinen anderen Rat, als dass man erst selbst gut sein. 
Man erfülle dem Ehrsüchtigen, dem Geldgeizigen, dem Wollüstigen, dem Manne von Eitelkeit etc. etc. man erfülle ihm alle seine Wünsche, und was ist´s dann? Das Auge sieht sich nicht satt und das Ohr hört sich nicht satt und ich habe noch keinen dieser Art gesehen, der sich ruhig in die Arme genommen und gesagt hätte: Ich habe genug. Alle solch Glück ist mehr mühseliges Hinstreben zum Genießen als wirklicher Genuss, ist keine Flamme die aus sich selbst heraus brennt, sondern man muss beständig neue Reiser anlegen, neues Öl zugießen, dass sie nicht verlösche, und am Ende verlöscht sie ja doch! Mein Vetter, es muss für den Menschen eigenes Glück geben! Und was man auswärts erbetteln muss und nicht behalten kann, ist ja nicht eigen. Wehe den Menschen, die nach Zerstreuung haschen müssen, um sich einigermaßen aufrecht zu halten! Doch wehe siebenmal den Unglücklichen, die Zerstreuung und Geschäftigkeit suchen müssen, um sich selbst aus dem Wege zu gehen! Sie fürchten, allein zu sein; denn in der Einsamkeit und Stille rührt sich der Wurm, der nicht stirbt, wie sich die Tiere des Waldes in der Nacht rühren, und auf Raub ausgehen.

Aber selig ist der Mensch, der mit sich selbst in Friede ist, und unter allen Umständen frei und unerschrocken auf und um sich sehen kann! Es gibt auf Erden kein größer Glück.

"... Sie meinen auch, dass sie die Sache hätten, wenn sie davon reden können und davon reden. Das ist aber nicht, Sohn. Man hat darum die Sache nicht, dass man davon reden kann und davon redet. Worte sind nur Worte und wo sie so gar leicht und behende dahin fahren; da sei auf der Hut, denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schrittes...."